4 Sep 2013

8:17:23?! – Ein perfekter Tag!

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Es gibt so Tage im Sportlerleben, da läuft einfach alles perfekt. Man kann das Abrufen wofür man Jahrelang jeden Tag viele Stunden trainiert hat. Nur leider fallen solche Tage recht selten auf einen Wettkampftag. Bei Langstreckentriathleten sind das ja dummerweise nur zwei bis vier Tage im Jahr. Den Schlüssel zu finden, genau an diesen Tagen in Topform zu sein, ist für jeden Sportler extrem schwer. Einige schaffen es nach ein paar Anläufen, einige nach ein paar mehr Anläufen und einige leider nie. Den letzten wirklich perfekten Wettkampftag hatte ich im August 2010 als ich zum ersten Mal den OstseeMan in Glücksburg gewinnen konnte und dabei auch noch den Streckenrekord auf 8 Stunden und 27 Minuten verbessern konnte. Seit dem habe ich viel trainiert. Manchmal zu viel. Aber auch diese individuelle Grenze muss gefunden werden. Ich habe den Spaß am Sport verloren und ihn wiedergefunden. Habe viel ausprobiert. Im Rennen wie auch im Training. Vieles ist dabei schief gegangen. Aber daraus habe ich über die Jahre auch enorm viel gelernt. Am meisten natürlich über mich selbst. Aber jetzt will ich hier mal nicht zu philosophisch werden. Das kann der Jo, mein Trainer, besser. Der hat das schließlich studiert ;-).

Am 01.09.2013, drei Jahre und ein Monat danach hat mal wieder alles zusammen gepasst und ich konnte meine persönliche Bestzeit um ganze zehn Minuten verbessern. So sind dann plötzlich von einem Tag auf den anderen viele Zweifel beseitigt. Ich kann ja nicht alles falsch gemacht haben in den letzten drei Jahren. Nur habe ich nicht alles auf einmal richtig gemacht. Das braucht es aber um aus einem guten Rennen ein sehr gutes Rennen zu machen.

Am Ende war es dann am Sonntag nicht nur ein sehr gutes, sondern wahrscheinlich eines der wenigen perfekten Rennen. Schon beim Schwimmen konnten sich aus meiner Gruppe, die ich ausnahmsweise mal halten konnte, nur wenige absetzen und wir verließen das Wasser mit nur 4 Minuten Rückstand auf die Spitze. Durch das Schwimmen auf der Regattabahn hat man eine absolut zuverlässige Orientierung wo man beim Schwimmen steht, da die Strecke auf den Meter genau stimmt. Für mich und meine 5-10 Begleiter zeigte die Uhr genau 55 Minuten am Schwimmausstieg an. Bereits eine Minute schneller als im Vorjahr. Auf dem Rad habe ich dann schnell all meine Pläne über den Haufen geworfen. Eigentlich wollte ich mich etwas zurück halten und dann auf einen schnellen Marathon setzen, da ich eigentlich im Laufen meine größte Stärke sehe. Irgendwie war das aber so ein Tag wo sogar der Kopf daran geglaubt hat das alles möglich ist und ich habe versucht so lange wie es irgendwie geht an Jens Kaiser dran zu bleiben. Viele seiner Attacken haben mich beinahe „umgebracht“, aber irgendwie konnte ich bis zum Ende dran bleiben und muss jetzt wohl Radfahren eher zu meinen Stärken zählen ;-). Eigentlich habe ich immer gesagt: „Ich werde wohl nie die 180km unter 4:30 fahren. Da traue ich mir schon eher einen Marathon hinten raus um 2:45 zu.“ Aber am Ende waren wir nach 4:22 in der zweiten Wechselzone?!!! (Ja, das ist grauenhaft schnell und ja es waren auf Grund einer Baustelle nur 177km. Aber das stört ja bei vielen M-Punkt/Challenge Rennen auch niemanden). Ich fühlte mich grauenhaft zerstört nach diesem Höllenritt, aber meine Hoffnung bestand darin, dass es Jens, der fast 90% von vorne gefahren ist, genauso geht und ich mich vielleicht ein wenig besser durch den Marathon gerettet bekomme. Beflügelt von der extrem schnellen Radzeit und der Hoffnung meine drei Jahre alte Bestzeit endlich zu verbessern lief der Marathon mit „Holzbeinen“ über die Brücken, Wendeltreppen und Zick-Zack Abfahrten im wahrsten Sinne der Wortes noch richtig gut. Die vielen tausend Zuschauer/Restaurantgäste an der Laufstrecke haben es mir auch wirklich nicht erlaubt mich hängen zu lassen in den schweren Phasen gegen Ende des Rennens. Daher bin ich mir sicher, dass ich an diesem Tag absolut alles auf der Strecke gelassen habe. Und das ist ein tolles Gefühl! Ich war total überwältigt als ich das Ziel mit Blick auf den Dom erreicht habe. Nach 8 Stunden und 17 Minuten. Diese Zeit hört sich immer noch fremd an, aber ich werde mich wohl daran gewöhnen können ;-).

Vielen Dank an Jens Kaiser, ohne den ich nie den Mut gehabt hätte so schnell zu radeln. Uwe Jeschke und seiner gesamten Truppe, die Jahr für Jahr ein tolles Rennen auf die Beine stellen! Nicht zu vergessen dem weltbesten Betreuer Stephan Reis, ich war noch nie so entspannt vor einem Rennen und wurde auch noch nie so gut/emotional/professionell betreut während eines Rennens. Und natürlich vielen Dank den üblichen Verdächtigen ;-). Da fällt mir ein. Einen besonderen Dank an mein Cervelo Bike, dass wahrscheinlich als es mir übergeben wurde nicht damit gerechnet hat jemals so schnell über eine Radstrecke getreten zu werden ;-).

Jetzt packe ich erst mal meine Sachen für einen extrem entspannten Urlaub in Norwegen. :D

Christian Nitschke

Christian Nitschke

Father   -   Husband   -   Triathlete   -   Scientist   -   Perfectionist

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